Zielsetzungen

 

Aufnahme der abendländischen Harmonielehre
in die UNESCO-Liste des immateriellen Weltkulturerbes

Aus der Präambel der UNESCO:

„Da Kriege im Geist der Menschen entstehen, muss auch der Frieden im Geist der Menschen verankert werden.“

 

Aufnahme der vorgestellten Forschungsergebnisse in die Lehrpläne

Gründe: 

  • Die Unlogik der Intervallbezeichnungen verlangt eine nachvollziehbare Erklärung.
  • Die christliche Symbolik des abendländischen Tonsystems ist Teil des mittelalterlichen Weltbildes und daher sowohl europäisches Kulturerbe als auch Zeugnis einer bewussten kirchlichen Einflussnahme, deren manipulativer Charakter transparent gemacht werden muss.
  • Neben der historischen Verortung dient die Auseinandersetzung mit der Geschichte auch dem Zweck, die Koexistenz verschiedener Weltanschauungen tolerieren zu lernen.
  • Förderung des interdisziplinären Verständnisses europäischer Kulturgeschichte in ihrer Verflechtung von Musik, Kunst, Theologie, Wissenschaft und Politik.
  • Der ethische Gehalt wurde von den Griechen übernommen und in das katholische Weltbild integriert. Das Augenmerk richtet sich hier auf die erhaltene Wertschätzung menschheitsgeschichtlicher Erfahrungswerte. 
  • Im Unterschied zu anderen Fächern, in denen es der Sache nach um Wettbewerb geht - auch im Sport spricht man von Wettkampf und von Siegen - vermittelt Musik Synergiekompetenz und führt über die Schulung der Sinne zu mehr Lebensqualität.
  • Harmonielehre ist überall dort von Bedeutung, wo sich unterschiedliche Elemente wechselseitig beeinflussen und existenziell von einem funktionierenden Ganzen abhängen. Auf einer allgemeineren Verständnisebene geht es um den respektvollen Umgang miteinander sowie um den respektvollen Umgang mit der Natur.    
  • Nachdem der UN-Generalsekretär António Guterres anlässlich des UN-Gifeltreffens im September 2021 feststellte, dass sich die Welt in die falsche Richtung bewege, ob es um Klima, Konflikte oder um Kernwaffen gehe, ist es höchste Zeit, die Harmonielehre in der ganzen Tiefe ihrer Bedeutung zu vermitteln. Um ein funktionierendes Zusammenspiel zu erreichen, bedarf es bereits eines anderen Vokabulars, und Worte wie Rücksichtnahme, Interesse und gegenseitige Achtung müssen entsprechende Taten nach sich ziehen. 

 

Kritische Anmerkungen

Anlässlich der gegenwärtigen UN-Vollversammlung kann beobachtet werden, dass zwei unvereinbare Zielvorstellungen aneinandergeraten: die strategische und die synergetische.  

Ein strategisches Ziel ist nur mit einer Vormachtstellung zu erreichen, ein synergetisches mit Zusammenarbeit. Synergie ist ungleich effizienter, da vor der Problemlösung keine andere Bedingung erfüllt werden muss. Zudem erspart sie sehr viel Leid. Die strategische Denkart ist derzeit an der Aufrüstung im Indopazifik zu beobachten.

Chinesischer Flugzeugträger

Der Kilmawandel hingegen verlangt synergetisches Vorgehen. In beiden Fällen haben wir es mit selbstverursachten globalen Bedrohungslagen zu tun, denn ein nuklearer Gegenschlag ist von ebenso zerstörerischer Wirkung wie lebensfeindliche Umweltbedingungen. Aus diesem Grunde kam wiederholt zur Sprache, dass auf kriegerische Handlungen zu verzichten sei und ebenso häufig war der Appell zur Zusammenarbeit zu hören:

Es wird demnach nicht weniger verlangt als ein menschheitsgeschichtliches Novum

Nachdem die Evolution ausserstande ist, die nötigen Anpassungen in der erforderlichen Geschwindigkeit vorzunehmen, hängt das Überleben der Art allein von der Anpassungsfähigkeit des Geistes ab, d.h. konkret davon, ob es gelingt, von der Strategie zur Synergie überzuwechseln.  

Verschiebung der Machtverhältnisse

Nachdem die Harmonielehre, die seit 2500 Jahren ein Beispiel für erfolgreiches synergetisches Zusammenwirken liefert, stets unbewaffnet daherkam, war sie leicht als realitätsfern zu verwerfen. Ihre Fragilität war schon den Griechen sehr bewusst und nicht zufällig wird die Hochzeit von Kadmos und Harmonia in der Mythologie als einmaliger Sonderfall beschrieben, in dem Ordnung und Harmonie zueinanderfanden - zu einer Vollkommenheit, die sich auch auf die Stadt und den Kosmos erstreckte. Die Zustände sind mit dem Paradies vergleichbar. Der Brautwagen wurde von einem Löwen und einem Eber gezogen - eine nicht gerade realitätsnahe Vorstellung.

Frans Snyders, Ein Löwe tötet einen Eber,
The picture Art collection, Alamy Stock Foto   

Als Hochzeitsgeschenk soll der Göttervater Zeus "alles Vollkommene" überreicht haben. Roberto Calasso hat diesem Ereignis eine eigene Abhandlung gewidmet. In der Musik umfasst das Intervall Harmonia - die spätere Oktav - sowohl die Konsonanz als auch die Dissonanz.  

Damit ist die Grundlage beschrieben, welche die Christen vorgefunden haben. Das Prinzip der Vereinigung des Unterschiedlichen haben sie übernommen. Es findet sich in maximaler Verdichtung im Ausdruck Feindesliebe. Somit hatte die Harmonielehre als Weltethos weiterhin Bestand, bis im Zuge der Französischen Revolution eine strikte Trennung von Musik und Theologie durchgesetzt wurde. Daher ist die Kenntnis der früheren Verflochtenheit verloren gegangen und der verborgene Sinn der Intervallbezeichnungen - der Prim und der Oktav - wird nicht mehr verstanden.  

Missachtet wurde das Weltethos immer schon - jeder Krieg ist ein Beleg dafür. Der Grund war, dass es ihm an Durchsetzungskraft mangelte. Heute hat die Harmonielehre in der Natur einen mächtigen Verbündeten und mit jeder weiteren Hitzewelle, mit jedem Wirbelsturm und jeder Flutkatastrophe verschieben sich die Machtverhältnisse.

Hochwasserkatastrophe im Ahrtal, Deutschland, 2021

Bei Verzicht auf ein kollektives Umdenken ist nichts anderes als ein Kampf um den verbleibenden Lebensraum zu erwarten. Durch militärisches Aufrüsten ist die Natur nicht zu beeindrucken. 

 

 © Aurelius Belz 2021