C 20 Comics der KI voraus - Über Sinn und Ziel
Comics der KI voraus
Als 1969/70 die ersten Taschenrechner auf den Markt kamen, entbrannte eine heftige Diskussion darüber, ob die Nutzung des technischen Wunderdings nicht zu einer Verdummung der Schüler führe, weil sie verlernten, was das Gerät ihnen abnimmt. Die Pro-Partei argumentierte hingegen, Rechnen sei die Kunst der Krämer: «Wir machen Mathematik!». Damit war die Sorge beiseitegeschoben und der Eindruck vermittelt, dass mit dem Denken gleich auf höherem Level eingestiegen werden könne.
Nun haben wir mit der KI ein «Helferlein» anderer Qualität. Es liefert Information, formuliert für uns, übersetzt, rechnet aus, hinterfragt und denkt. Welche Skills gehen nun damit verloren, und wie müsste die Analogie zur oben genannten Beschwichtigungsfloskel lauten? «Denken ist die Kunst der … ,wir machen … !»
Was wir tun, wissen wir. Global betrachtet rüsten wir auf, bekämpfen einander, zerstören unseren Lebensraum, geniessen in unserer Freizeit das dolce far niente und tun damit, was wir zuvor schon taten. Müsste ein echtes Helferlein nicht eher von jener Sorte sein, uns dort zu unterstützen, wo unsere Schwachstellen liegen? – wie eine Brille eine Hilfe ist für jenen, der schlecht sehen kann? Die KI weiss bereits:
«Der Mensch besitzt große Fähigkeiten in Logik und Technik. Ethische Weisheit, Weitsicht und der Erhalt des Lebensraums bleiben oft zurück. Ein echtes Hilfsmittel müsste Empathie und globale Kooperation stärken, anstatt rein instrumentelle Intelligenz zu maximieren.»
Nachdem KI selbst nicht fühlt, kann sie den Zugang zum Begriff Empathie nur auf indirektem Wege erschliessen. Doch kommt sie damit je ans Ziel? Sie selbst sagt:
«Ohne Bewusstsein kommt die KI beim echten Fühlen niemals an. Sie bleibt ein Spiegel menschlicher Emotionen ohne eigene Tiefe.»
…und erkennt beim Menschen:
«Mangelnde Weitsicht: Globale Krisen und die Zerstörung der Umwelt zeigen das Defizit an Weisheit.»
Und wo kommt diese nun her? Auf die Frage, ob KI über Weisheit verfüge, antwortet sie:
«Nein, ich verfüge über kein eigenes Bewusstsein, keine Gefühle und keine echte Weisheit. Ich bin ein Computerprogramm. Ich kann dir viele Fakten nennen und kluge Texte zeigen, aber ich verstehe sie nicht so wie ein Mensch.»
Daraus ist leicht abzuleiten, dass Weisheit ein synergetisches Produkt aus Denken und Fühlen ist, womit wir erneut bei den Eigenschaften Harmonias - der gr. Göttin der Eintracht - wären, die es vermochte, wesensfremde Charaktere zu synergetischem Handeln zu veranlassen, und das ist keine leichte Aufgabe, schon gar kein Kuschelkurs. Die Arbeit beginnt während des Heranwachsens in jedem Einzelnen von uns. Und so könnte die Ergänzung des Satzes lauten: «Denken ist die Kunst der KI, wir machen Weisheit daraus!» Allerdings liegt zwischen Wunsch und Zielerreichung noch ein weiter Weg.

Das von Carl Barks 1956 erstmals vorgestellte “Helferlein”
Der Comic-Zeichner und -Autor Carl Barks (*1901 - †2000) hat seinem erstmals 1956 (zeitgleich mit der KI) eingeführten Helferlein des Daniel Düsentrieb folgende Eigenschaften zugeschrieben: Es verfügt über ein KIM (Künstliches Intelligenz-Modul) und einen SEA (Spontaner Emotionsakkumulator). Sein Sternzeichen ist Waage. Allein das sagt genug über die philosophischen Qualitäten seines Erfinders, der seiner Zeit weit voraus war. Es bleiben die berechtigten Fragen, was wir noch selbst können, wenn wir derart viel in Auftrag geben und über wieviel Kontrollkompetenz wir dann noch verfügen. Den Weg zur Weisheit müssen wir alleine finden.
Über Sinn und Ziel
Mit folgenden Worten äusserte sich Oskar Karem (Instagram 04.08.2026) zum Thema:
«Noch nie war das Leben so bequem wie jetzt und noch nie waren die Menschen so schwach wie jetzt. Du kannst heute alles machen, du kannst Essen bestellen, ohne aufzustehen. Du kannst jemanden kennenlernen da draussen, ohne ihn anzusprechen. Du kannst dich ablenken, ohne eine Minute mit dir selbst allein zu sein. Du kannst dir das Dopamin überall holen, ohne dass du dir irgendwas davon verdient hast. Und weißt du was? Genau das ist das grösste Problem. Die Menschen von heute sind nicht schwach, weil sie schlechte Gene haben. Sie sind schwach, weil sie in einer Welt leben, die ihnen in Wirklichkeit jeden Widerstand abnimmt. Keine Langeweile, keine Stille, keine Geduld, keine Ablehnung, kein Warten und natürlich immer alles sofort. Und was die meisten aber nicht verstehen, ist, wer immer alles sofort bekommt, der lernt nichts über Wert. Das heisst, wer nie warten muss, der lernt nichts über Disziplin. Wer nie kämpfen muss, der lernt nichts über Stärken. Und genau deswegen brechen ja heute so viele Menschen schon an Dingen zusammen, die früher einfach zum Leben dazugehört haben. Ein einfaches «Nein», einen Korb bekommen, ein harter Tag, ein leeres Konto, ein Streit, solche Dinge. Ich habe noch nie jemand kennengelernt, der stark geworden ist, weil sein Leben leicht war. Du wirst stark, wenn Du aufhörst, vor Unbequemlichkeit davonzulaufen. Eine bequeme Welt produziert keine starken Menschen. Sie produziert empfindliche Menschen mit Null Belastbarkeit.»
Gehen wir kulturgeschichtlich zurück, haben die Menschen schon immer versucht, sich das Leben leichter zu machen. Die Erfindung des Feuers und des Rades sind Meilensteine. Wasser- und Windmühlen erlauben, Kraftreserven für andere Dinge übrig zu haben. Jedes Werkzeug trägt dazu bei, die Qualität der Arbeit auf möglichst kräfteschonende Art zu erreichen.
Mit der Industrialisierung nahm der Bedarf an Fremdenergie derart zu, dass sich der Mensch zum Parasiten auf unserem Planeten entwickelte. Abgesehen von der Zerstörung des eigenen Lebensraumes, die nicht gerade als Akt der Klugheit gelten kann, ist zu fragen, ob die Lebensqualität in gleichem Masse zunahm. Setzt man Lebensqualität mit Bequemlichkeit gleich, lässt sich die Frage mancherorts mit einem «Ja» beantworten, andernorts mit “Nein”, da sie nicht selten auf Kosten anderer in Anspruch genommen wird. Und wie verhält es sich mit Zufriedenheit? Die Zeugnisse der Vergangenheit ermöglichen einen direkten Vergleich. Warum sind historische Innenstädte Touristenmagneten? Warum ist das Wohlfühlen in modernen Vorstädten nicht gleichermassen gegeben? Maschinenarbeit versus Handarbeit. Herausrationalisierte Individualität schafft menschenfeindliche Umgebungen. Der Eigenanteil geht gegen Null. Was hat die Buchmalerei den Menschen vor der Erfindung des Buchdrucks geben können, was lieferte die Schnitzkunst vor Erfindung der Kopierfräse? Wie viele Stunden verbrachten Menschen übend an Musikinstrumenten vor Erfindung des Radios und welche akustischen Meisterwerke haben sie hinterlassen? Wie verhält es sich mit dem Kathedralbau? Generationenübergreifende Projekte ohne Nutzwert ausser dem der inneren Erfüllung. Die Liste liesse sich leicht fortsetzen. Wertvoll ist, was den Einsatz der eigenen Kraft und Lebenszeit lohnend erscheinen lässt. Das Return on Investment ist Selbstwertgefühl aus berechtigtem Stolz auf die eigene Leistung und eine kleine Portion Glück.
Betrachten wir noch einmal die Bestandsaufnahme Oskar Karems, so fällt auf, dass sie vornehmlich vom Verhalten des Menschen in seiner Freizeit handelt. Die Beschriebenen kompensieren in ihr, was sie während der Arbeit nicht verwirklichen können, weil sie unter Druck dazu veranlasst wurden, Wunscherfüller oder Funktionseinheit in einem fremden Räderwerk zu sein. Auf Berufe, die Erfüllung zurückgeben, trifft das nicht zu. Auch gilt, was er so allgemein über die Menschen sagt, vor allem für Industrienationen. Insofern stellt sich die Frage, ob es sich bei Bequemlichkeit um die Ursache oder um die Wirkung handelt. Ist sie Ursache, wäre mehr Anstrengung heilsam, das hat er völlig richtig gesehen. Ist sie Wirkung, liegt es an den Zielen, welche derart krank machen, dass sie Regeneration erfordern. Was Karem beschreibt, gleicht einer Intensivstation, in der den Patienten jegliche Anstrengung abgenommen werden muss.
Bei alldem wollen wir nicht übersehen, dass viele Menschen ausgebeutet und versklavt wurden, um jene Funktion zu erfüllen, die künftig Androiden überlassen wird, da sie nicht aufbegehren. Sie bilden die künftige Armee der selbsternannten Herrenmenschen, deren Ziele: Macht und Reichtum, unter der Devise Kaiser Karls V.: “Plus ultra” zu stehen scheinen. Was ist da noch ein Menschenleben?
Realiter existiert alles nebeneinander. Es gibt masslose Gier und Wohlstandsverwahrlosung ebenso wie den einseitigen Verschleiss aus Mangel an Work-Life-Balance, und es gibt Faulheit. All das hat zu tun mit einem Korrekturbedarf hinsichtlich der persönlichen und gesellschaftlichen Zielsetzung. Wer gibt die Ziele vor? Wer denkt darüber nach - Technologiekonzerne, Philosophen, Politiker, Psychologen, Lebensberater? Gibt es nicht auch Aspekte der Arbeit, welche als solche schon Sinn stiften? Bezüglich der persönlichen Ziele lohnt es allemal, die Dinge in die eigene Hand zu nehmen. Wer die Realisierung zustande bringt, kann von Glück reden, denn es gibt, um Adorno erneut zu bemühen: “kein richtiges Leben im falschen”.
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