Wissenschafts-Blog

25.04.2025

C22 Laudatio auf das wohltemperierte Klavier

Ein kurzer Post auf W-Social

Wer abtaucht in die Welt der Microintervalle, entdeckt einen eigenen Kosmos. Schade eigentlich, dass Konzertbesucher davon nichts mitbekommen, da sie ein fertiges Gefüge vorfinden, das  den Kompositionen ihre inneren Beats und Pulsschläge verleiht.

Die im Italienischen battiti oder pulsazioni genannten Schläge – physikalisch: Schwebungen - bewirken Erschütterungen, angefangen vom leichten Beben zum unrunden Rollen. Ein Zittern wie das Zittern der Knie, ein emotionales Bewegtsein begleitet die Töne, sobald sie miteinander in Verbindung geraten. Das Phänomen ergibt sich aus den Distanzen, physikalisch: aus den Differenzen der Schwingungen zueinander. Das geht bis hin zum Tosen und zu schmerzhaften, an Kurzschlüsse und Stromschläge erinnernde Peinigungen. Nicht umsonst erhielt der Tritonus den Beinamen: «Diabolus in Musica». 

Von Kuschelkurs kann da wirklich keine Rede sein. Akustische Lichtblicke sind selten, nur in Prim und Oktav kommt vor, was wir rein und schwebungsfrei nennen. Kein Wunder, dass die Konsonanz mit dem Göttlichen in Verbindung gebracht wurde. Etwas pathetisch gefasst klingt das so:

„»Es ist das wahrhaft göttliche Geschenk der gleichschwebend temperierten Stimmung, dass sie den ewigen Streit der Töne schlichtete und die unvollkommene Natur der Klänge in eine vollkommene, harmonische Ordnung überführte. Indem sie jede Tonart mit gleicher Anmut und reinem Glanze erstrahlen lässt, brach sie die Fesseln des Instrumentes und schenkte dem Geiste des Tonsetzers die absolute, grenzenlose Freiheit der Modulation.