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29.09.2019

46 Replik auf keine Antwort

Erinnerungsschreiben an zahlreiche Kulturredaktionen der Schweiz, Deutschland und Österreich

 

Sehr geschätzte Damen und Herren

Vor nunmehr 2 Monaten übersandte ich Ihnen und einer Reihe weiterer Kulturredaktionen zum wiederholten Male Informationen über aktuelle Forschungsergebnisse, die Wiederentdeckung der christlichen Symbolik des abendländischen Tonsystems betreffend, und verwies auf meine Homepage www.aurelius-belz.ch, auf der die Sachverhalte in Video-Präsentationen und Blog-Beiträgen leicht verständlich zugänglich gemacht werden.

Vom 3. Jahrhundert bis in das 17. Jahrhundert hinein war die göttliche Abkunft der Musik - MUSICA DONUM DEI – gültige Lehrmeinung, und noch J.S. Bach zählte zu denjenigen, welche die „Majestät der alten Musik“ gegenüber dem Zeitgeist der Aufklärung zu verteidigen suchten. Die Identifizierung seiner Zeichnungen in der Kunst der Fuge ist ein weiteres Fundstück in diesem grossformatigen kulturhistorischen Kontext - ein visuelles und akustisches Credo, das einfacher kaum nachzuvollziehen ist, sofern man nur Interesse dafür entwickelt.

All dies war Ihnen keine Antwort wert. Gewiss entspricht die theologische Kontamination der Musik nicht dem gegenwärtigen Zeitgeist, doch hätte ich Ihnen zugetraut, ein Kulturerbe von Weltrang zu erkennen, es wertschätzend zu behandeln und über die öffentliche Debatte zu ermöglichen, dass es in die Lehrpläne aufgenommen wird. Dies nicht zu tun leistet jenen Tendenzen Vorschub, die noch immer in wirtschaftlich-strategischen Alleingängen ein Verbesserungspotential für die Welt - und zuvor noch für sich selbst - erblicken. Dem gegenüber steht die Harmonielehre für Synergiekompetenz. Sehr im Unterschied zu militärischen und sportlichen Aktivitäten gibt es dort keine Sieger. Ihr ethischer Gehalt wurde sowohl von den Griechen als auch von den Frühchristen klar erkannt, hat an Gültigkeit überhaupt nichts eingebüsst und erhält neue Aktualität vor dem Hintergrund eines ausbeuterischen Verhaltens des Menschen gegenüber der Natur.

Vernetzte Kulturwissenschaftler – darunter auch die Mitglieder der Internationalen Sozietät zur musikalisch-theologischen Bach-Forschung – erleben derartige Ignoranz als Diskriminierung und als schildbürgerliche Strategie, Tatsachen dadurch aus der Welt schaffen zu wollen, indem man sie gar nicht erst zur Sprache bringt. Unsere Kulturgeschichte hält den Menschen einen Spiegel vor. Auch wenn man ihn gänzlich zertrümmerte, hätte das auf die eigene Identität und das eigene Aussehen keinen Einfluss, wohl aber auf die Möglichkeit des Selbst-Erkennens. Der Vorgang des Ausräumens unliebsamer Wahrheit hat einen recht unschönen Namen und der lautet: Zensur. Wehren Sie den Anfängen und lassen Sie die Unterwanderung des eigenen journalistischen Berufsethos nicht einfach blind geschehen! Die Harmonielehre ergreift nicht Partei, da sie überparteilich zu vermitteln sucht. Gleichwohl sehen nicht wenige eine Gefahr in ihr. Fragen Sie doch einmal die Gesellschaft, warum das so ist.

Für einen sachlich weiterführenden Dialog stehe ich sehr gerne zur Verfügung.

Mit vorzüglicher Hochachtung

Aurelius Belz