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23.01.2020

51 Unverminderte Aktualität: WEF Davos 2020

"Frage nicht, was die Welt für Dein Land tun kann - frage, was Dein Land für die Welt tun kann."... so die Weiterführung eines Gedankens von John F. Kennedy 

 

Auf diesen Seiten geht es um die Wiederentdeckung des ethischen Gehalts der abendländischen Harmonielehre, d.h. um die Bedeutung der Synergiekompetenz gegenüber strategischem Denken und Handeln. 

 

Im Kräftespiel der verschiedenen Parteien hat die Harmonielehre keine eigenen Vertreter. Wenn es so etwas gibt wie eine Lobby - d.h. einen Personenkreis, der auf die Bedeutung besonders aufmerksam macht, so sind es diejenigen, welche unter blanker Gewalt zu leiden hatten und darüber berichten - die Überlebenden von Auschwitz zum Beispiel. Ebenso sind es die Empathiefähigen, die erkennen, dass mittels Strategie lediglich kurzfristige lokale Erfolge unter Inkaufnahme gewaltigen Elends erzielt wurden. Die Geschichte ist voller Beispiele. Im Umgang mit der Natur sind die Verhältnisse nicht anders. Um darauf aufmerksam zu machen, gehen viele Menschen auf die Strasse.

Das Interesse der Strategen an der Welt endet an den Grenzen der eigenen Lebenszeit und des eigenen Lebensraumes.

Während die Betroffenen noch beständig fordern: "So etwas darf nie wieder geschehen", wachsen im Kreise der Ignoranz neue Täter heran. Für den Funktionserhalt eines geschlossenen Systems ist strategisches Handeln untauglich, denn im Vergleich zur Synergie entstehen immense Reibungsverluste... angefangen bei den Kosten für Wahlwerbung bis hin zur Unvermeidbarkeit kriegerischer Auseinandersetzungen.

Aus strategischer Sicht ist Krieg nichts anderes als eine Problemlösung mit gewaltigen Kollateralschäden.

Jene Kraft, mit der Nachhaltigkeit erzielt werden kann, ist allein die Kraft gegenseitigen Verständnisses und der Einsicht. Diese zu entwickeln und zur Richtlinie eigenen rücksichtsvollen Handelns zu machen wäre der Homo sapiens seinem selbst gewählten Namen schuldig. Im Bereich der Musik hat er die Befähigung hierzu längst unter Beweis gestellt. Allerdins geht es dort weder um Macht und Reichtum, noch um das Überleben. Wir haben es "im wirklichen Leben" mit Dissonanzen ganz anderer Grössenordnung zu tun - zudem mit kognitiven Dissonanzen und psychischen Störungen, die zu Gewaltausbrüchen führen. 

Die folgenden Blog-Beiträge zeigen, dass die ethische Relevanz der musikalischen Harmonielehre - insbesondere deren Vorbildcharakter - schon vor 2500 Jahren von den Griechen erkannt-, und von den Frühchristen in ein theologisches Weltbild integriert wurde - mit den Konsonanzen von Prim und Oktav als akustischen Repräsentanten des A und des Ω. Die Immaterialität der Schallereignisse in Verbindung mit dem Ideal harmonischer Übereinstimmung als Sinnbild für den Frieden legte die Verbindung mit dem Göttlichen nahe. Der Sinnspruch MUSICA DONUM DEI ist vor diesen Hintergrund zu verstehen und daher in historischer Betrachtung durchaus beim Wort zu nehmen.   

Um die ausgeprägte christliche Symbolik des abendländischen Tonsystems zu dechiffrieren ist es erforderlich, die Entwicklungsschritte aus der Bildungsperspektive der jeweiligen Entstehungszeit zu betrachten. Ein polydisziplinärer Ansatz ist hierfür unverzichtbar, denn die Spezialisierung auf Einzelfachgebiete, wie wir sie heute kennen, setzte erst nach der Aufklärung ein. 

Auch methodisch kommt dem polydisziplinären Vorgehen besondere Bedeutung zu, denn nachdem Zahlen und Töne abstrakter Natur sind, liesse sich gar zu viel in sie hineininterpretieren. Das Textmaterial der Schriftquellen in Verbindung mit Architektur und bildlichen Darstellungen liefert die erforderlichen greifbaren  Belege, welche mit rein akustischen Mitteln nicht vorzulegen wären. So nur ist zu erklären, warum die Musikwissenschaft nicht selbst schon längst auf die Sachverhalte aufmerksam wurde, die eine Vernetzung mit dem kulturhistorischen- und dem gegenwärtig-politischen Kontext ermöglichen.

Die weiträumige Öffnung der Betrachtungsperspektive bis hinein in die Gegenwart zur Beurteilung der Ist-Situation ist in akademischen Kreisen unüblich, doch erfüllen die Geisteswissenschaften damit einen Auftrag der Gesellschaft, denn wer sich bewusst auf den Weg in die Zukunft begeben will, muss wissen, wo er herkommt.

Aus der vorliegenden Thematik ergibt sich die erweiterte Perspektive von selbst, denn weder die musikalische- noch die zwischenmenschliche Harmonie sind einer bestimmten Epoche zuzuordnen. Es handelt sich um zeitlose Desiderata - nicht nur um Idealvorstellungen.

Die erforderlichen Rückschlüsse zu ziehen und ggf. politische Weichen zu stellen obliegt der Gesellschaft, denn die Aufgabe der Wissenschaft endet mit dem Vorlegen der Sachverhalte und dem Aufzeigen der Zusammenhänge. 

 

© Aurelius Belz 2020