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16.12.2014

22 Denkmalpflege beginnt nicht beim Musikinstrument,

vielmehr wurden die Grundlagen im Bereich der Architektur formuliert,

lange bevor sie in der carta del restauro an die verschiedenen Fachgebiete angepasst und ausformuliert wurden. Von Prof. Achim Hubel, geb. 1945 in München, Prof. für Denkmalpflege an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, sind stärkste rhetorische Auftritte in Erinnerung, sowohl Vorlesungen zum nicht schnell genug Mitschreiben können, Darstellungen der grossen epochenübergreifenden Zusammenhänge, als auch bewegende und schonungslose Analysen von Bausünden, die sowohl gänzliches Unverständnis als auch dreiste Rücksichtslosigkeit und Beratungsresistenz dokumentieren. Denkmalpfleger zeigen, wie die Berufsbezeichnung es bereits nahe legt, persönliches Engagement und Betroffenheit, denn jeder Verlust ist in seiner Art endgültig und unwiederbringlich. Wer nicht bereit ist, sich gegen den Geist der Zeit zu stellen und eine Kämpfernatur zu entwickeln, mag wohl noch in der Lage sein, bewegende Grabreden zu halten, für den Beruf ist er allerdings nicht geschaffen. Daher die Notwendigkeit der Überzeugungsarbeit und der flammenden Rede.

Im Instrumentenbau verhält es sich spiegelbildlich. Im Original erhaltene Instrumente sind selten, Eingriffe in der Regel grob und völlig ignorant der ursprünglichen Intention gegenüber. Legendär sind die Fälschungen Leopoldo Franciolinis, der gänzliche Eigenkreationen in bewusster Täuschungsabsicht aus Originalbeständen zusammen-schusterte und eine breite Schneise der Verwüstung hinterliess. Dabei begegnet fehlende Sorgfalt auch im wissenschaftlichen Bereich. Man denke nur an die wiederholt fehlerhaften Übersetzungen des Sinnspruchs auf dem Spinett der Giulia Varano im Metropolitan Museum New York. Kulturgut der obersten Kategorie wird damit sprachlich demontiert, der Zugang geradezu unmöglich gemacht. Deshalb bedeutet Denkmalpflege auch hier: Wehret den Anfängen!

Dabei kann der erwähnte Sinnspruch in richtiger Lesart bereits selbst nicht anders verstanden werden als eine Aufforderung, dem Kunstwerk nur mit der angemessenen Einstellung nahe zu kommen: RICCHO SON D'ORO ET RICCHO SON DI SUONO, NON MI SONAR SI TU NON HA DEL BUONO". Als bedürfe es einer weiteren Erklärung, was mit "DEL BUONO" gemeint ist, finden wir im gleichen Blickfeld noch den Hinweis auf die Bibelstelle Jesaja VI, welche die Ermahnung enthält, von Leichtfertigkeit abzusehen und sich dem Guten zuzuwenden.